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Was ist Shodo? --- die Darstellungsformen

Haiku und Tanka | Vierer Couplet | Hengaku | Kotowaza

HAIKU und TANKA

Haiku ist eine traditionelle japanische Gedichtform und gilt als die kürzeste Gedichtform der Welt. Japanische Haiku bestehen aus drei Wortgruppen von 5-7-5 Silben. Haiku deuten immer eine Jahreszeit an. Die Texte sind nicht abgeschlossenen und vervollständigen erst im Erleben des Lesers. Im Text wird nicht alles gesagt, Gefühle werden indirekt benannt.

Tanka ist eine 1.500 Jahre alte reimlose japanische Gedichtform. Bei Tanka ist eine Gliederung in zwei Teile üblich, die auch von verschiedenen Personen stammen können: 5-7-5 als erster Teil (Oberstollen: wie bei einem Haiku ein Bild mit jahreszeitlichem Inhalt), und 7-7 als zweiter Teil (Anschlussstollen: vollendet und eröffnet neue Gedankenrichtungen).
Haiku und Tanka werden traditionelleweise mit reduzierter Tuschmalerei kombiniert und mit Kana Schriftstil geschrieben.
Hier folgen ein paar schöne Beispiele:


Haiku von Shiki Masaoka:
Auf dem Berg, unter dem Schnee säuselt des Wassers Klang

Tanka von Gotobain:
Langsam kommt der Frühling näher, im Amanokagu-Berg eine Spur im Nebel

Haiku von Basho Matsuo:
Eine Weile, auf der Blume leuchtet der Mondschein
(siehe Bild links unten)

Tanka von Soseihoushi:
Der Frühling ist gekommen. Die Nachtigall singt. Vielleicht hat sie Schnee mit der Pflaumenblüte verwechselt?
(siehe Bild rechts unten)

     
beide Bilder (c): Junko Baba



VIERER COUPLET (oder Vierer Komposit)

Im ost-asiatischen Sprachraum, vor allem in Japan und China, wo hauptsächlich Kanjis (Bildschrift) als Schriftzeichen verwendet werden, ist es üblich, lange Sätze auf 4 Schriftzeichen verkürzt, darzustellen. Vor allem in Japan, wo die grammatikalische Zuordnung mit Hiragana ergänzt wird, ist es üblich, die Vierer-Couplets ohne jede grammatikalische Zeichen in einem einzigen Wort zusammen zu fassen und als selbstständigen Wort zu verwenden.
Diese "Mosaik-Bildung" ist auch in der westlichen, modernen Sprachkultur zu sehen, allerdings in weit vereinfachter und kunstloser Weise: z.B. FuZo für FussgängerZone und ähnliches...

Es gibt drei Hauptrichtungen, was das Thema betrifft: die historische (meistens mit Kampfkunst geknüpft), die philosophische (mit Zen-Buddhismus geknüpft), oder die bürgerliche (Sprichwörter, Glückwünsche) Richtung. Die Kompositen aus vier Schriftzeichen setzen die Vorkentnisse der historischen und kulturellen Hintergründe voraus. Das Schriftstil muss mit dem Inhalt harmonisieren.
Um es besser verstehen zu können, ein paar Beispiele:

Historische Vierer

FURINKAZAN: wörtlich "Wind, Wald, Feuer und Berg" / ein Spruch aus der Sengoku-Zeit.
Daimyo Takeda Shingen erklärte die Kunst des Krieges so: "sich so schnell wie der Wind bewegen, stumm wie der Wald bleiben, so heftig wie das Feuer angreifen, standhaft wie ein Berg verteidigen." (siehe Bild rechts)

ICHI-GO ICHI-E: wörtlich "ein Leben, ein Treffen" / Zen Spruch.
Der Begriff wurde ursprünglich im Budo (Wege der Kampfkunst) verwendet, um Studenten, die sorglos geworden sind, zu ermahnen. Sie müssen lernen, dass jeder Fehler fatal sein kann, und dass man beim Kampf nicht einfach nochmal anfangen kann, wenn eine Aktion nicht funktioniert hat. In einem Kampf auf Leben oder Tod gibt es keine zweite Chance, es erneut zu versuchen. Obwohl Techniken im Dojo trainiert werden müssen, sollte jede Aktion als singulär und entscheidendes Ereignis gesehen werden.
Mit der Zeit wurde "Ichi-go ichi-e" mit Zen-Buddhismus und Konzepten der Vergänglichkeit verknüpft. Der Begriff wird heutzutage vor allem mit der japanischen Teezeremonie verbunden und steht oft auf Schriftrollen, die in der Teestube aufgehängt werden. Im Zusammenhang mit der Teezeremonie, erinnert ichi-go ichi-e Teilnehmer daran, dass jede Tee-Sitzung einzigartig ist.

(c): Junko Baba


Zen (Buddhistische) Vierer

KOUUN RYUSUI: wörtlich "Wolken, Himmel, Wasser, Fluss"
Die Bedeutung: Lass es sein, wie es sein sollte, wie Wolken am Himmel ziehen und wie Wasser auf dem Fluss fliesst". (Zen Spruch)

MUGAMUCHU: wörtlich: "Nichts, Ich, Traum, Mitte"
Es beschreibt einen der seltenen Momente des menschlichen Daseins, wo man gerade durch den Verzicht auf ein scharf abgegrenztes, dauernd wollendes und forderndes ICH, ganz bei sich selbst, in seiner Mitte ist.

(c): Junko Baba

Das erste Zeichen "Mu" (Nichts), stellt übrigens einen der Schlüsselbegriffe der buddhistischen, besonders der Zen-Schule, dar: diese Nichts bedeutet nicht nur die materielle (Makro- und Mikro-Kosmos) Leere, sondern zusätzlich auch die absolute Abwesenheit von Geist, Gedanken und Gefühlen. (siehe Bild).


Bürgerliche Vierer (Sprichwörter oder Glückwünsche):

ONKO CHISHIN:
Bedeutung: Man versteht die Neuen durch die Alten

NANAKOROBI YAOKI:
Bedeutung: Siebenmal fallen, achtmal aufstehen (siehe Bild rechts)

KABUKANRAKU:
Bedeutung: Singen, Tanzen und das Leben genießen


(c): Junko Baba



HENGAKU

Hengaku ist der Form einer breiten Kalligraphie, welche selbstverständlich von rechts nach links zu lesen ist. Die stehen traditionellweise als Begrüßungsschild sowohl in privater Gebäude als auch in staatlicher Einrichtungen und natürlich auch in buddhistischer Tempeln. Der auf Hengaku geschriebene Text ist kurz, welche aufmuntert, oder eine gute Wünsche mitteilt.
Beispiele:


Nichi nichi kore konichi (Jeder Tag ist ein guter Tag / Zen Spruch) ...............(c): Junko Baba


Die Samurai hat sieben Tugenden: Aufrichtigkeit, Mut , Güte, Höflichkeit, Wahrhaftigkeit, Ehre, Treue .......(c): Junko Baba



KOTOWAZA (Spruch)

Zitat, oder Sprichwort, frei, aber möglichst kurz (eventuell reduziert) geschrieben. Die Länge des Satzes ist mehr als 4 Schriftzeichen und kann neben Kanjis auch Hiragana und/oder Katakana beinhalten.

Ein paar Beispiele:

Auch ein Affe fällt manchmal vom Baum (Sprichwort)
Where is a will, there is a way (Abraham Lincoln)
Die Samurai hat kein zweites Wort (Versprochen ist versprochen!)
Hana yori dango = Lieber Mochi (japanische Süßigkeit) als Blumen (Chef, gib mir mehr Lohn, nicht nur Lob!)"
Sake ist unter hundert Arzneien die beste (Spruch)

Beispiel mit Foto:
"Sie ist der Rosen schönste, wenn sie steht, und edle Lilie wenn Sie geht. Im Sitzen aber, gleicht Sie der Lotusblüte"
(aus dem Werk "Die Schönheit der Frauen" - übersetzung: Alexander Schaden)


(c): Junko Baba



(c): Junko Baba




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